Erzählung eines Reisenden

An den Ausläufern des Gebirges gegen den Rhein liegt das Städtlein Heitersheim in einer der lieblichen Lagen des heiteren Markgräflerlandes, umgeben von Rebgeländen, Obstbäumen und Wiesen. Etwas entfernt von dem Städtlein erhebt sich aus der Ebene die johannitermeisterliche Burg, einst der Sitz der Großpriore deutscher Zunge; heut zu Tage aber Privateigentum und größtenteils unbewohnt.

Das weitläufige Gebäude mit seine massiven Ecktürmen und Gräben macht zwar von außen noch immer den Eindruck geziemender Festigkeit, wenn wir aber durch das verwitterte Tor in das Innere schreiten, so mahnt uns alles an die Ver- gänglichkeit irdischer Macht und Einrichtung. [...] Die weiland fürstlichen Gemächer sind leer, und ihre eingebrochenen Decken und zerrissenen Tapeten dienen nur noch den Spinnen und Mäusen zum Aufenthalt, während die übel verwahrten Fenster dem Wind und Wetter Einlass geben.

(Lucian Reich: ›Wanderblüten‹, 1855)Mehr zum Thema
Historische Ansichten

Schloss Heitersheim, Ansicht von Südwesten, 1876.
Schloss Heitersheim, Ansicht von Südwesten, 1876.
Lithographie, Franz Lederle, Privatbesitz
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